05-10-2014

Nein sagen

 
Hi, kennst Du das auch?
Ein Bekannter ruft Dich an, ob Du ihm nicht heute Nachmittag bei einer Tätigkeit helfen kannst.
 
Eigentlich wolltest Du aber runter zum See, eine kleine verdiente Auszeit, und das Wetter war ja die letzten Wochen auch nicht gerade einladend.
 
Nun gut, er hat Dir ja auch beim letzten Umzug geholfen, da kannst Du auch nicht so sein.
 
Also, der See ist ja nächste Woche auch noch da. Und schon wieder gibst Du Dich wieder einer solchen Sache, zu einem Zeitpunkt hin, da es Dir gerade gar nicht passt.
Eigentlich möchtest Du gar nicht, aber er ist ja Dein Kumpel und da macht „man“ das halt so.
 
Wie sieht es aber in Dir drin aus? Vor ein paar Tagen warst Du schon in so einer Lage, und letzte Woche und vorigen Monat auch.


 

Warum kannst Du nicht einfach nein sagen? Was treibt Dich immer wieder in solche Situationen? Ist das ein Gefühl wie, Du bist ihm das schuldig, er hat Dir ja auch schon oft geholfen. Oder das schlechte Gewissen? Oder gar von früher tief in Dir drin?
 
Oft lautete die Reaktion der Eltern auf Dein Nein: "Wenn du dein Zimmer nicht aufräumst, bist du ein böses Kind." "Wenn du nicht das und das machst, dann habe ich dich nicht mehr lieb. Dann ist die Mama traurig, bekommt Papa Bauchweh, wird die Mama krank ...", usw.
 
Wir lernten auch durch das Beobachten der Eltern, Geschwister und Freunde.
Gab es jemanden, der selber nicht Nein sagen konnte?
 
Meist überprüfen wir unser Verhalten später gar nicht mehr, wir bleiben bei der Erfahrung, dass es Konsequenzen für uns hat, wenn wir nein sagen.
 
Natürlich findest Du heute andere Gründe, zB.: Will der Andere nichts mehr mit mir zu tun haben? Bin ich herzlos und egoistisch? Oder etwa, verspreche ich mir etwas davon?
 
Doch jedes mal wenn Du etwas widerwillig tust, bleibt ein fahler Nachgeschmack, wie, ich tu das nur für Dich, und Du erwartest eine Art Anerkennung oder Ausgleich. Und Du bist unzufrieden und innerlich gar gestresst.
 
Was denkst Du, wenn Du von jemandem etwas erwartest, und der Betreffende sagt nein, es passt mir da grade nicht. Fühlst Du Dich im Stich gelassen, oder bist Du Enttäuscht? Wilst Du mit dem nichts mehr zu tun haben?
 
Ist es nicht so, dass derjenige, der gefragt wird selbst entscheiden kann, ob er etwas tun oder helfen will. Objektiv betrachtet stellt einer eine Frage, und der andere sagt ja oder nein.
 
Und wenn der andere doch masslos enttäuscht oder verärgert reagiert? Dann sei Dir Bewusst, dass seine Reaktion nichts mit Dir zu tun hat. Seine Enttäuschung ist Ausdruck seines Frustes, etwas nicht zu bekommen. Auch Du bist enttäuscht, wenn Du etwas nicht bekommst. Der andere wird darüber hinweg kommen.
 
Du wirst feststellen: in den meisten Fällen, in denen Du Nein sagst, bleibt die von Dir befürchtete negative Reaktion des anderen aus.
 
Aber für Dich ist es stimmig, Du kommunizierst das was Du fühlst, was Du bereit bist zu geben.
 
Wer NEIN sagen kann, sagt JA zu sich und seinen Grenzen.
 
Es freut mich, wenn Du Deine Meinung dazu äusserst.
 
Sei gerade heute (bewusst) fröhlich.

 
 
 
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Kommentare   

0 #1 margarita 2015-11-04 17:52
Ich denke, es liegt an unserer Erziehung, brav zu sein, zu machen was von einam verlangt wird. Sich selber abgrenzen zu lernen ist ein Prozess, zu fühlen was einem nicht gut tut, der fahle Nachgeschmack wie oben beschrieben ist ein Zeichen, dass etwas nicht stimmig ist.Das Bauchgefühl wird oft ignoriert. Sich selber zu fragen und zu fühlen ist ein erster Schritt. Ich musste gesundheitliche Tiefschläge durchmachen. Aber es ging schlichtweg um die Existenz, meine körperlichen Signale wurden nicht erkannt als ich Hilfe suchte. Seither bin ich mir bewusster über mein Seelenleben, es war vorher kein Thema , nur die Pflicht stand im Vordergrund. Ich denke es geht vielen Menschen so, die Auswirkungen seelischer Belastungen auf die Gesundheit ist man sich schlichtweg nicht bewusst, leider. Sich abzugrenzen muss man lernen, auch wenn es den Mitmenschen missfällt. Ich musste über 50 werden um mir dessen bewusst zu werden.
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